Das Zungen-R
Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Das Blockflöten-Kompendium“ von Manfredo Zimmermann.
In vielen historischen Lehrbüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts für Blasinstrumente wird dem Aspekt der differenzierten Artikulation großes Gewicht zugeordnet. Dabei spielt neben den bereits beschriebenen Silben der Konsonant „R“ eine große Rolle. Es ist hierbei das sogenannte „Zungen-R“ gemeint, das sich vom „Rachen- oder Zäpfchen-R“ dadurch unterscheidet, dass es durch ein leichtes Berühren des vorderen Gaumens entsteht, ohne dabei zu rollen, wie beispielsweise bei der Flatterzunge.
In vielen Spielsituationen bereichert das Zungen-R den musikalischen Ausdruck. Es ist der weichste Zungenstoß und wird in der Regel immer paarweise mit einem T oder einem D verbunden: Es bilden sich somit die Silbenpaare te-re-te-re oder de-re-de-re.
Es ist nun so, dass viele Menschen Probleme haben, das Zungen-R auszusprechen. Insbesondere das gerollte „R“ für die Flatterzunge bereitet große Schwierigkeiten. Hier sei auf spezifische logopädische Übungen hingewiesen, die den Rahmen dieses Kompendiums sprengen würden.
Beim Artikulieren auf der Flöte wird aber das ungerollte, einfache Zungen-R benötigt. Wenn du Schwierigkeiten hast, dieses einzusetzen, kann ich dir eine einfache Lösung anbieten, die auf einem kleinen Umweg das Ziel erreicht. Es geht schließlich um ein gewünschtes Klangergebnis: eine Artikulation, die weicher ist als ein „d“.
Übung:
• Artikuliere auf einem Ton die Silbenfolge te-de-te-de …
• Reduziere nun beim „D“ die Berührung der Zunge am Gaumen immer weiter, bis auf ein Minimum.
• Du wirst merken, dass der Ton dabei immer weicher klingt.
• Reduziere den Kontakt noch weiter.
• Am Ende entfällt der Kontakt mit dem Gaumen, es bleibt ein dünner Luftfilm zwischen Zunge und Gaumen.
• So klingt es dann tatsächlich wie ein Zungen-R.
Häufig wirst du das Zungen-R bei Punktierungen einsetzen: Du siehst, dass nach dem ersten Ton das „T“ immer auf der kurzen, das „R“ auf der langen und betonten Note eingesetzt wird. Dadurch wirkt dieser Rhythmus besonders prägnant.
