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Aufführungspraxis2026-09-26

Die Partita A-Moll für Flöte solo von Johann Sebastian Bach BWV 1013

Ausgestattet mit einem bezifferten Generalbass von Manfredo Zimmermann.

Welcher Flötist, welche Flötenspielerin hat dieses Werk nicht schon einmal auf sein Notenpult gelegt und staunend festgestellt: Das Werk möchte ich auch spielen!

Die meisten werden im Verlauf ihrer Ausbildung sich früher oder später damit auseinandergesetzt, die verschiedenen Sätze geübt und vielleicht auch öffentlich vorgetragen haben. Viele werden in diesem Prozess auch mit verschiedenen Fragen konfrontiert worden sein, sind doch mehrere Stellen „unlogisch“ oder gar fehlerhaft(?).

Diese Ausgabe möchte sich als Versuch verstehen, musikalische Antworten auf diese Fragen zu geben und zusätzlich durch die Hinzufügung eines Basses die Partita zu „komplettieren“.

Einige Anmerkungen zur originalen Flötenstimme:

• Der erste Ton im Takt 21 der Allemande ist in der Vergangenheit fast immer als fis‘ interpretiert worden. Dafür spricht m.E. außer dem „verrutschten“ Ton in der Vorlage überhaupt nichts. Einen einzigen Ton im Themenmaterial ein einziges Mal zu verändern, das findet man bei Bachs Werken kein weiteres Mal. Das von vielen so interpretierte Überraschungsmoment ist — hinsichtlich der ansonsten reichhaltig auftretenden tatsächlichen melodischen und harmonischen Überraschungen — ein schwaches Argument.

• In der Corrente sind im Original lediglich in den Takten 1 und 16 Bindungen eingetragen. Dass ausschließlich hier legato gespielt werden soll, ist sicherlich auszuschließen. Ich habe deshalb, auch im Kontrast zu der Allemande, weitere Legatobögen ergänzt. Man möge damit im Sinne eines sprechenden Spiels künstlerisch frei umgehen.

• In der Sarabande habe ich mich auf ein besonderes Wagnis eingelassen: in der Reprise im zweiten Teil (Takt 35) setzt die Vorlage direkt mit dem 5. Takt ein, der dann im darauf folgenden Takt eine neue melodische Richtung einschlägt. Meiner Meinung nach hat der Kopist seinerzeit die ersten vier Takte versehentlich übersprungen, was hinsichtlich des identischen Aussehens von Takt 1 und Takt 5 des Anfangsthemas nachvollziehbar ist. Deshalb wurden die „fehlenden“ Takte hier ergänzt.

• In Takt 34 der Bourrée Angloise sollte vermutlich eine durchlaufende Achtelbewegung stehen. Die traditionell gedruckte Punktierung des d‘ mit der nachfolgenden Sechzehntel f“ ist musikalisch wenig überzeugend und geht sicherlich jedem Spieler gegen den Strich.

Hinweis: Der von mir neu dazu komponierte Bass orientiert sich an den grundsätzlichen Maßgaben für einen Generalbass des 18. Jahrhunderts und im Besonderen an den Bässen J.S. Bachs in seinen verschiedenen Sonaten, Suiten und Partiten. Sicherlich wird diese „Lösung“ da und dort auf Erstaunen, Widerspruch oder gar Entsetzen stoßen, aber vielleicht hilft die Auseinandersetzung mit demselben für ein besseres Verständnis für diese wunderbare Komposition.

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